Ehrenamt: Pflicht oder freiwillige Bürde?

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Ehrenamt: Pflicht oder freiwillige Bürde?

Jeder, der schon einmal ein Vereinsfest organisiert hat, kennt die Helferliste an der Pinnwand. Nach zwei Tagen sind alle Kuchenspenden vergeben. Für den Aufbau am Morgen stehen zwei Namen da, für den Abbau am Abend keiner. Und am Ende machen es dieselben fünf Leute wie jedes Jahr.

Es liegt nahe, das auf mangelnde Bereitschaft zu schieben. Ich glaube das nicht.

Warum Helferlisten leer bleiben

Ein Kuchen lässt sich am Abend vorher backen, wann es eben passt. Ein Dienst von 14 bis 17 Uhr dagegen bindet einen festen Teil des Tages, und das in einer Zeit, in der viele Familien Arbeit, Schichtdienst, Geschwisterkinder und Pflege unter einen Hut bringen müssen. Die leere Zeile auf der Liste heißt oft nicht „ich will nicht“, sondern „ich weiß nicht, ob ich kann“.

Dazu kommt, dass viele Helferlisten nicht sagen, was eigentlich zu tun ist. „Grill“ kann heißen, eine Stunde Würstchen zu wenden, oder den ganzen Nachmittag allein verantwortlich zu sein. Wer das nicht weiß, trägt sich lieber nicht ein.

Was Menschen zum Mitmachen brauchen

Aus meiner Erfahrung wollen die meisten helfen, nur nicht unter Druck. Sie brauchen drei Dinge:

  • Struktur: eine klare Aufgabe mit Anfang und Ende.

  • Planungssicherheit: die Info früh genug, damit sie den Tag darum herum planen können.

  • Flexibilität: die Möglichkeit, zu tauschen oder eine kleinere Aufgabe zu übernehmen, wenn die große nicht passt.

Bei den Aufgaben in unseren Mannschaften hat sich das bewährt. Trikots waschen, Fahrdienst oder Kuchen hängen in Numo direkt am Termin. Jeder sieht, was offen ist, und kann sich selbst eintragen. Wie das reihum fair verteilt wird, steht im Beitrag Trikots, Kuchen, Fahrdienst: Aufgaben fair verteilen.

Wie ich selbst angefangen habe

Mein Einstieg ins Ehrenamt war 2004. Ich war 17, und jemand aus dem Verein sagte: Schau dir das einfach mal an. Es gab keine Pflicht und keine lange Einarbeitung, nur eine Mannschaft und die Einladung, mitzumachen. Daraus wurden der Trainerschein beim Verband, Fußballcamps, Ausflüge mit über 100 Kindern und ein Benefizturnier für die Grundschulen. Vieles davon haben wir mit Fördergeldern finanziert. Wie man an solche Mittel kommt, beschreibe ich im Beitrag über Fördergelder für die Jugendabteilung.

Hätte man mich damals mit einer Liste von Pflichten empfangen, wäre ich vermutlich nicht geblieben. Ich bin geblieben, weil der Anfang leicht war und ich Lust auf mehr bekommen habe. Das muss nicht bei jedem so sein. Wer sich als Co-Trainer wohlfühlt und seinen kleinen Teil beiträgt, hilft dem Verein genauso.

Pflicht oder Bürde?

Ehrenamt sollte weder das eine noch das andere sein. Pflichtstunden mögen in manchen Vereinen funktionieren, sie lösen aber nicht das Grundproblem. Besser ist es, den Einstieg so leicht wie möglich zu machen: klare kleine Aufgaben, früh angekündigt, mit der Freiheit, auch mal Nein zu sagen. Wo die Zeit in der Vereinsarbeit heute verloren geht, habe ich im Beitrag Wo im Verein die doppelte Arbeit steckt beschrieben.