In über 20 Jahren als Jugendtrainer habe ich viele Eltern erlebt. Die allermeisten wollen helfen. Schwierig wird es meistens dann, wenn niemand vorher gesagt hat, was erwartet wird. Dann fährt beim Auswärtsspiel keiner, weil jeder dachte, ein anderer fährt. Oder ein Vater ist sauer, weil sein Sohn nur eine Halbzeit gespielt hat, und niemand hat ihm erklärt, dass bei uns alle gleich viel spielen.
Solche Situationen lassen sich fast immer vermeiden, wenn die Eltern von Anfang an wissen, worauf sie sich einlassen.
Der Elternabend als Startpunkt
Für mich ist der Elternabend der wichtigste Termin der Saison, wichtiger als das erste Spiel. Dort erkläre ich, wie wir trainieren, wie Spielzeiten verteilt werden und warum Ergebnisse bei den Jüngeren nicht im Vordergrund stehen. Wer das einmal gehört hat, diskutiert später seltener am Spielfeldrand.
Wichtig ist, dass der Abend kein Vortrag wird. Eltern haben eigene Fragen und eigene Sorgen, und die sollten Platz bekommen. Wie du den Abend so vorbereitest, dass er gelingt, beschreibt Susanne Amar im Artikel Damit dein nächster Elternabend erfolgreich wird. Einen guten Denkanstoß dazu gibt der Artikel Elternabende neu gedacht vom Blog „Ins Netz gegangen“.
Erwartungen klar aussprechen
Was ich von den Eltern erwarte, sage ich offen. Dass sie bis Mittwoch für das Wochenende zu- oder absagen. Dass sie ihr Kind rechtzeitig bringen. Dass am Spielfeldrand angefeuert, aber nicht trainiert wird. Umgekehrt sage ich, was sie von mir erwarten können: rechtzeitige Infos, ein offenes Ohr und faire Spielzeiten.
Hilfreich ist, diese Absprachen schriftlich festzuhalten, etwa in der Beschreibung der Elterngruppe. Wer neu dazukommt, findet sie dort und muss nicht drei Wochen lang raten.
Aufgaben teilen, nicht verteilen
Der dritte Punkt sind die Aufgaben rund um das Team. Trikots waschen, Fahrdienst, Kuchen zum Heimspieltag. Wenn ich sie einfach verteile, fühlt sich das schnell nach Pflicht an. Besser funktioniert es, wenn am Elternabend gemeinsam festgelegt wird, wie die Aufgaben reihum gehen. Dann ist es eine Absprache der Eltern untereinander und nicht die Anweisung des Trainers.
Wie wir das mit Numo umsetzen, steht im Beitrag Trikots, Kuchen, Fahrdienst: Aufgaben fair verteilen. Die Aufgaben hängen dort direkt am Termin, und jeder sieht, wer zuletzt dran war.
Früh statt später
Der Aufwand am Anfang der Saison ist überschaubar: ein Abend, ein paar klare Sätze und eine gemeinsame Regel für die Aufgaben. Im Gegenzug spare ich mir viele Einzelgespräche in den Monaten danach. Und die Eltern fühlen sich als Teil der Mannschaft, was sie ja auch sind.
Nachtrag vom März 2025: Warum es oft leichter ist, Eltern zu motivieren, als man denkt, beschreibt der Artikel Eltern zu motivieren ist oft leichter, als du denkst.
Nachtrag vom Februar 2026: Warum sich auch nach der Winterpause ein Elternabend lohnt, steht im Artikel Warum der Elternabend nach der Winterpause so wichtig ist.
Nachtrag vom April 2026: Lesenswert ist auch Warum Sinn der Schlüssel für deine Elternarbeit ist.